Flush nach Niacin – gefährlich für unsere Gesundheit?

Bastian Müller

 

Der Nia­cin-Flush ist eine häu­fige Neben­wir­kung der Ein­nahme hoher Dosen von Nia­cin-Präpa­ra­ten, die ver­sch­rie­ben wer­den kön­nen, um beispiel­swe­ise Pro­bleme, die mit hohem Cho­le­ste­rin­spie­gel ver­bun­den sind, zu behan­deln. Obwohl er harm­los ist, kön­nen seine Symp­tome – rote, heiße und juc­kende Haut – wir­klich unan­ge­nehm sein. Aufgrund die­ser Symp­tome bre­chen Men­schen oft die Ein­nahme von Nia­cin ab (1).
Die gute Nach­richt ist, dass du die Wahr­sche­in­lich­keit des Auftre­tens von Nia­cin-Flush ver­rin­gern kan­nst. Aus unse­rem Arti­kel wirst du alles erfah­ren, Was du über Nia­cin-Flush wis­sen musst – Was er ist, Was er verur­sacht und Was du dage­gen tun kan­nst.

Was ist eigen­tlich der „Flush”?

Der Nia­cin-Flush ist eine häu­fige Neben­wir­kung der Ein­nahme hoher Dosen von Nia­cin-Präpa­ra­ten. Dies ist rela­tiv unan­ge­nehm, aber völ­lig harm­los. Deine Haut wird rot, Was mit Juc­kreiz oder Bren­nen ver­bun­den sein kann (1).
Nia­cin ist auch als Vita­min B3 bekannt. Es ist ein Teil eines Kom­ple­xes von B-Vita­minen, die eine wich­tige Rolle bei der Umwan­dlung von Nah­rung in Ener­gie für den Orga­ni­smus spie­len (2). Als diäte­ti­scher Zusatz wird Nia­cin vor allem zur Behan­dlung eines hohen Cho­le­ste­rin­spie­gels aus­ge­nutzt. Niko­tin­säure ist ein Nah­rungsergänzungsmittel, das gewöhn­lich zu die­sem Zweck ver­wen­det wird.
Eine andere ergän­zende Form, Nia­cinamid, bewirkt keinen Nia­cin-Flush. Diese Form ist jedoch beim Aus­gle­ich des Lipid­spie­gels im Blut nicht wirk­sam (3).

Es gibt zwei Haupt­for­men, in denen Niko­tin­säure in Nah­rungsergänzungsmitteln vor­kommt:

  • Sofor­tige Fre­iset­zung, wo die gesamte Dosis gle­ich­ze­itig aufge­nom­men wird,
  • sowie verzögerte Fre­iset­zung, welche eine spe­zielle Hülle hat, dank der die Sub­stanz lang­sa­mer aufge­löst wird.

Der Flush ist ein sehr häu­figer Nebe­nef­fekt der Ein­nahme der Form mit der sofor­ti­gen Fre­iset­zung von Niko­tin­säure. Es ist inso­fern bekannt, dass min­de­stens die Häl­fte der Men­schen, die hohe Dosen die­ser Form ein­nimmt, die­sen unan­ge­neh­men Effekt spürt (4, 5).
Hohe Dosen von Niko­tin­säure lösen eine Reak­tion aus, die bewirkt, dass sich die Haar­ge­fäße erwe­itern, Was den Blut­fluss auf der Hau­to­ber­fläche erhöht (1, 6, 7, 8). Man­chen Berich­ten zufolge, emp­fin­det prak­tisch jede Per­son, die hohe Niko­tin­säuredosen ein­nimmt, einen Flush (6).
Andere Medi­ka­mente, ein­schlie­ßlich eini­ger Anti­de­pres­siva und Hor­mo­ner­satz­the­ra­pien, kön­nen auch eine ähn­li­che Rötung bewir­ken (1).

Der Flush ist eine häu­fig auftre­tende Reak­tion auf hohe Nia­cindosen. Dies geschieht, wenn sich die Haar­ge­fäße erwe­itern und der Blut­fluss zur Hau­to­ber­fläche erhöht wird.

Nia­cin-Flush – Symp­tome

Die­ses Phäno­men ist ein Nebe­nef­fekt der Ein­nahme hoher Nia­cindosen (Vita­min B3). Der Flush tritt dann auf, wenn Nia­cin bewirkt, dass die kle­inen Blut­ge­fäße in deiner Haut erwe­itert wer­den, wodurch mehr Blut durch sie flie­ßen kann. Am häu­figsten tritt eine Rötung des Gesichts auf, es kön­nen aber auch Rötun­gen am Hals und im Ober­kör­per auftre­ten. Es ersche­int auch ein cha­rak­te­ri­sti­sches Krib­beln.
Für jeden, der die­sen kon­kre­ten Effekt der Ein­nahme von Nia­cin nicht erlebt hat – beginnt die­ser ca. 10 bis 20 Minu­ten nach der Ein­nahme einer hohen Dosis (z. B. 250 Mil­li­gramm oder mehr).

Die Symp­tome betref­fen vor allem das Gesicht sowie den Ober­kör­per und umfas­sen (9, 10):

  • Hau­trötung: Kann als leich­tes Ery­them oder inten­siv rotes Ery­them, ähn­lich wie Son­nen­brand, auftre­ten.
  • Krib­beln, Bren­nen oder Juc­kreiz: Dies kann sehr unan­ge­nehm und manch­mal sogar schmerz­haft sein (9).
  •  Die Haut fühlt sich warm an: Ähn­lich wie bei Son­nen­brand kann sich die Haut warm oder heiß anfüh­len (11).

Bei der Mehr­heit lässt der Nia­cin-Flush ca. eine Stunde nach Ein­nahme des Nah­rungsergänzungsmittels nach (1, 8). Dies ist kein schädli­ches Phäno­men, aber es kann beun­ru­hi­gen, wenn man nicht weiß, Was man erwar­ten soll. Im Laufe der Zeit wirst du dich an den Flush gewöh­nen und er wird weni­ger inten­siv sein.
Der Flush kann sich wie ein Son­nen­brand oder eine aller­gi­sche Reak­tion äußern. Die Symp­tome las­sen jedoch gewöhn­lich nach einer Stunde nach. Wenn du für einen lan­gen Zeitraum hohe Nia­cindosen ein­nimmst, wird sich dein Orga­ni­smus daran gewöh­nen, die Tole­ranz wird sich erhöhen und die Neben­wir­kungen wer­den nicht so stark sein.

Warum neh­men Men­schen so hohe Nia­cindosen ein?

Ärzte ver­sch­re­iben seit lan­ger Zeit hohe Nia­cindosen, um den Cho­le­ste­rin­spie­gel der Patien­ten zu ver­bes­sern und Herzer­kran­kun­gen vorzu­beu­gen (5).
Die Ein­nahme hoher Nia­cindosen ermöglichte die fol­gende Ver­bes­se­rung der Cho­le­ste­rin- und Lipid­spie­gel im Blut:

  • Erhöhung des HDL-Cho­le­ste­rin­spie­gels: Beugt der Zer­set­zung von Apo­li­po­pro­tein A1 vor, welches zur Her­stel­lung von „gutem” HDL-Cho­le­ste­rin ver­wen­det wird. Es kann den HDL-Cho­le­ste­rin­spie­gel um sogar 20–40% erhöhen (1, 12).
  •  Sen­kung des LDL-Cho­le­ste­rin­spie­gels: Nia­cin beschleu­nigt die Zer­set­zung von Apo­li­po­pro­tein B in „schlech­tem” LDL-Cho­le­ste­rin, Was eine gerin­gere Fre­iset­zung durch die Leber bewirkt. Es kann den LDL-Cho­le­ste­rin­spie­gel um 5–20% sen­ken (11, 13, 14).
  •  Nie­dri­ge­rer Tri­gly­ce­rid­spie­gel: Nia­cin beein­flusst das Enzym, das für die Pro­duk­tion von Tri­gly­ce­ri­den uner­läs­slich ist. Es kann den Tri­gly­ce­rid­spie­gel im Blut um 20–50% sen­ken (3, 11).

Um diese posi­ti­ven the­ra­peu­ti­schen Effekte zu erfah­ren, wer­den Nia­cindosen im Bere­ich von 1.000 bis 2.000 mg pro Tag ein­ge­nom­men (5). Die emp­foh­lene Tages­do­sis hin­ge­gen beträgt für die meisten erwach­se­nen Män­ner und Frauen 14–16 mg pro Tag (9, 10).
Die Behan­dlung mit Nia­cin ist gewöhn­lich nicht die erste Maßnahme gegen Cho­le­ste­rinpro­bleme, weil sie auch andere Neben­wir­kungen als nur den harm­losen Flush verur­sa­chen kann. Es wird jedoch oft Per­sonen ver­sch­rie­ben, deren Cho­le­ste­rin­spie­gel nicht auf Sta­tine reagiert, welche die bevo­rzugte Behan­dlungsmethode dar­stel­len (15). Manch­mal wer­den Sta­tine und hohe Nia­cindosen paral­lel vera­bre­icht, um die Behan­dlungseffekte zu ver­bes­sern (16, 17, 18, 19). Hohe Nia­cindosen sol­l­ten genauso wie Medi­ka­mente behan­delt wer­den. Vor ihrer Ein­nahme sol­lte ein Arzt kon­sul­tiert wer­den.
Hohe Nia­cindosen wer­den gewöhn­lich ein­ge­nom­men, um den Cho­le­ste­rin- und Tri­gly­ce­rid­spie­gel zu ver­bes­sern. Sie sol­l­ten aus­schlie­ßlich unter ärz­tli­cher Aufsicht ein­ge­nom­men wer­den, weil sie ein Risiko für Neben­wir­kungen mit sich tra­gen.

Ist der Flush gefähr­lich?

Der Nia­cin-Flush ist für die meisten Men­schen ungefähr­lich. Hohe Nia­cindosen kön­nen jedoch andere, gefähr­lichere Neben­wir­kungen bewir­ken, obwohl diese rela­tiv sel­ten auftre­ten (20).
Am schädlich­sten ist die Leber­schädi­gung. Hohe Nia­cindosen kön­nen auch Magen­krämpfe verur­sa­chen, weswe­gen sie nicht ein­ge­nom­men wer­den sol­l­ten, wenn man an Magen­ge­sch­würen oder akti­ven Blu­tun­gen aus dem Ver­dau­ung­strakt leidet (9, 21, 22, 23, 24). Es sol­l­ten auch keine hohen Dosen ein­ge­nom­men, wenn man schwan­ger ist, weil dies ein Medi­ka­ment der Kate­go­rie C ist, Was bedeu­tet, dass es bei hohen Dosen Geburts­feh­ler verur­sa­chen kann (22). Obwohl der Nia­cin-Flush ungefähr­lich ist, wird er häu­fig von Men­schen als Grund ange­ge­ben, warum sie die Behan­dlung abbre­chen möch­ten (1).
Und dies kann ein gro­ßes Pro­blem dar­stel­len, denn wenn du Nia­cin nicht wie ver­sch­rie­ben ein­nimmst, ist es bei der Vor­beu­gung von Herzer­kran­kun­gen über­haupt nicht wirk­sam. Eine selb­st­stän­dige Reduk­tion der Dosis kann den gesam­ten Behan­dlungsprozess beein­träch­ti­gen. Berich­ten zufolge stel­len 5–20% der Men­schen, denen Nia­cin ver­sch­rie­ben wurde, die Ein­nahme wegen dem Flush ein (5).
Da es andere, noch schlim­mere Neben­wir­kungen gibt, die mit der Ein­nahme von Nia­cin-Mit­teln ver­bun­den sind, darf die Behan­dlung mit Nia­cin nicht auf eigene Faust durch­ge­führt wer­den.
Der Flush-Effekt ist harm­los. Nia­cin-Präpa­rate kön­nen jedoch auch andere schädli­che Neben­wir­kungen verur­sa­chen, weswe­gen es man­che Men­schen nicht einneh­men sol­l­ten.

Wie kann man dem Nia­cin-Flush vor­beu­gen?

Dies sind ein paar über­prüfte Metho­den:

  • Pro­biere eine andere For­mel aus: 50% der Men­schen, die Nia­cin mit sofor­ti­ger Fre­iset­zung einneh­men, erfah­ren den Flush-Effekt, aber es ist weni­ger wahr­sche­in­lich, dass Nia­cin mit verzöger­ter Fre­iset­zung die­sen bewir­ken wird. Und auch wenn dies pas­siert, sind die Symp­tome nicht so inten­siv und hal­ten nicht so lange an (1, 4, 11).
  • Nimm Aspi­rin ein: Die Ein­nahme von 325 mg Aspi­rin, 30 Minu­ten vor der Ein­nahme von Nia­cin kann bei der Begren­zung des Flush-Risi­kos hel­fen. Anti­hi­sta­mi­nika und NSAIDs (NSAR) wie Ibu­pro­fen kön­nen die­ses Risiko auch mini­mie­ren (5, 10, 25, 26).
  • Erhöhe die Dosis lang­sam: Einige Exper­ten emp­feh­len es, mit einer nie­dri­ge­ren Dosis wie 500 mg zu begin­nen und diese inner­halb von zwei Mona­ten auf 1000 mg zu erhöhen, bevor diese letz­ten­dlich auf 2000 mg erhöht wird. Diese Stra­te­gie kann dabei hel­fen, den Flush-Effekt vol­l­stän­dig zu eli­mi­nie­ren (5).
  • Iss einen Snack: Ver­su­che, Nia­cin zu den Mahl­ze­iten oder einem aben­dli­chen fet­tar­men Snack einzuneh­men (5).
  • Iss einen Apfel: Einige vor­läu­fige Stu­dien weisen darauf hin, dass der Kon­sum eines Apfels oder das Trin­ken von Apfel­saft vor der Ein­nahme von Nia­cin einen ähn­li­chen Effekt wie Aspi­rin haben kann. Das Pek­tin im Apfel sche­int für die Schut­zwir­kung veran­twor­tlich zu sein (10).

Beachte!

Nia­cin Flush kann unan­ge­nehm und lästig sein. Dies ist jedoch in Wir­klich­keit eine harm­lose Neben­wir­kung einer hoch­do­sier­ten Nia­cintherapie. Außer­dem kann dies ver­hin­dert wer­den. Hohe Nia­cindosen kön­nen andere, noch schlim­mere Neben­wir­kungen verur­sa­chen. Wenn du also aus gesun­dhe­itli­chen Grün­den hohe Nia­cindosen einneh­men möch­test, sol­ltest du sicher­ge­hen, dass dies unter ärz­tli­cher Aufsicht erfolgt. Beach­tet, dass unsere Arti­kel auf zuver­läs­si­gen wis­senschaftlichen Quel­len beru­hen!

 

Stichworte: Flush-Effekt, Niacin, Niacinamid

2 Bemerkungen

  1. Avatar

    Hallo,
    Ich hab mal eine Frage. Ich bin 31 und hab 2019 angefangen eine hormonersatz Therapie zu machen und auch eine Therapie für die nebenniere. Alles beim heilpraktiker.
    Für die nebenniere habe ich adrenal intercell eingenommen in eigentlich hohen Dosen. Dort ist auch b3 enthalten. Pro Kapsel 10mg und ich habe 3 kapseln pro Tag eingenommen. Nach einem 4/4 Jahr bekam ich die sogenannten flush Symptome. Ganz extrem… Habe dann die Tabletten abgesetzt. Hatte dann eine leber op da man ein fnh entfernt hatte und die Gallenblase. Eine Zeit lang waren die flush Symptome weg und dann hin und wieder nur minimal und seit paar Wochen wieder sehr extrem. Jetzt meine Frage, sind das Langzeit Schäden oder sollten diese Symptome eigentlich verschwinden nach absetzen der Tabletten. Hab mir nur gedacgt wenn ich jetzt über Lebensmittel ggf. Relativ viel b3 zu mir nehme das ich dann wieder darauf reagiere.

    Viele Grüße

    Stefanie

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